Apocalypse now?
Die Apokalyptik ist säkular geworden und bestimmt unsere Zeit
Ein Drittel der US-Amerikaner glaubt an einen bevorstehenden Weltuntergang (Spiegel online, März 2026).
Prof. Nagel beschäftigt sich mit aktuellen säkularen Ausdrucksformen von apokalyptischen Krisendeutungen moderner Gesellschaften. Dazu wird zunächst die die sprachliche Struktur der säkularen Apokalyptik genauer bestimmt.
In einem zweiten Schritt wird dies auf zwei Beispiele angewandt:
Der erste Fall ist die Deutung der ökologischen Krise: endzeitliche Zukunftsvorstellungen bestimmen die Protestbewegungen Extinction Rebellion und Letzte Generation („Klima-Kleber“). Die ökologische Krise wird als Endzeit beschworen, um sie abzuwenden.
Beim zweiten Fall geht es um die endzeitlichen Szenarien in der sogenannten Prepper-Szene (Personen, die sich auf drohende Katastrophen vorbereiten und autonom überleben wollen). Die apokalyptische Situationsbestimmung ist hier in ein konkretes Programm der individuellen Vorsorge eingebettet.
Der Vortrag schließt mit dem Nachdenken über die Frage, inwiefern die säkulare Apokalyptik auch Anlass für (kirchliche) Bildungsarbeit sein kann und wie sie zu einer „Apokalypse-Kompetenz“ beitragen kann.
Alexander-Kenneth Nagel ist Prof. für Religionswissenschaften am Institut für Soziologie der Universität Göttingen; er war von 2009 bis 2015 Juniorprofessor für Sozialwiss. Religionsforschung an der Ruhr-Universität Bochum. Zu seinen Forschungsthemen gehören Religion und Migration sowie endzeitliche Naherwartungen in modernen Gesellschaften.
Dazu erschien zuletzt: Corona und andere Weltuntergänge. Apokalyptische Krisenhermeneutik in der modernen Gesellschaft